Am nächsten Morgen in aller Frühe ging es mit der Fähre von Picton nach Wellington. Dort liehen wir uns ein Auto und unsere Fahrt führte weiter Richtung Norden.[/i]
Das erste Ziel unserer Reise war Wanganui, eine kleine Stadt mit etwa 43.000 Einwohnern an der Mündung des Whanganui-Rivers. Bei der Ankunft in unserem Hostel stattete uns der junge Diensthabende mit einem Stadtplan aus und informierte uns wohl über alles, was man über die Stadt wissen muss. Wir machten uns auch gleich auf zum Stadtrundgang – waren in einem Park, sahen uns einige Museen von außen an (wir waren nach den Öffnungszeiten dort) und dann überquerten wir eine Brücke über den Fluss, durchquerten einen langen Tunnel und fuhren mit einem Fahrstuhl auf den Berg. War auch mal interessant! Oben auf dem Berg kann man sich dann noch einen als Denkmal errichteten Turm besteigen und sich Wanganui und den Fluss von oben anschauen.
Da das Wetter am nächsten Morgen sehr durchwachsen – wolkig, windig, regnerisch – war, schien unsere geplante Flusstour auf wackligen Beinen. Aber pünktlich um halb acht erhielt ich einen Anruf von der Veranstalterin und sie sagte mir zu, dass die Tour auf jeden Fall erstmal gestartet wird. Also machten wir uns auf von Wanganui nach Pipiriki, einem winzigen Ort 80 km flussaufwärts. Da die Straße jedoch sehr kurvig ist, benötigt man für die Strecke gute zwei Stunden. Dabei durchquerten wir Orte wie London, Athen und Jerusalem, so heißen die Orte hier. Witzigerweise stehen am Straßenrand immer wieder Schilder die eine maximale Geschwindigkeit von 100 km/h vorschreiben.
Als wir in Pipiriki ankamen, war der Himmel von dicken Wolken bedeckt und es begann auch bald zu regnen. Einen heftigen Schauer warteten wir bei einer Tasse Tee im Wohnzimmer der Veranstalter ab und bei leichtem Regen ging es dann trotzdem los mit dem Jetboot etwa 50km stromaufwärts. Das Flusstal gleicht einer Schlucht, die sich durch buschig grün bewachsene Berge schlängelt. Uns wurden zwar gute Regenjacken zur Verfügung gestellt, trotzdem war es kalt und ungemütlich auf dem kleinen Boot. Die Reisegruppe war mit 4 Holländern, einer Engländerin und uns beiden Deutschen mal wieder europäisch.
Nach knapp einer Stunde Bootsfahrt gingen wir an Land und uns erwartete eine dreiviertelstündige Buschwanderung bevor wir unser eigentliches Ziel erreichten – die Bridge to Nowhere, eine Brücke über den Maungaparua Stream, einem Seitenarm des Whanganui River. Dort steht mitten im Urwald eine Betonbrücke, die 40 Meter lang, 38 Meter hoch und 5 Meter breit und somit mit einem Auto befahrbar wäre, wenn denn dort eine Straße hinführen würde, die es an keinem der beiden Enden gibt. Die Hintergrundgeschichte dazu: die neuseeländische Regierung hat Soldaten, die aus dem 1. Weltkrieg zurückkamen in die Region am Wanganui River angesiedelt, um dort aus dem Urwald Farmland zu machen und die Region zu besiedeln. Mitte der 30er Jahre wurde dann diese Brücke gebaut. Aufgrund der abgeschiedenen Lage und schwierigen Bewirtschaftung verließen viele Farmer schon nach kurzer Zeit die Region wieder. 1942 verließen die letzten Bewohner die Gegend und von dem Farmland ist nichts mehr zu sehen. Und so steht dort mitten im Wald eine große stabile Brücke. Wir machten dort auf der Brücke unsere Mittagspause und konnten dabei auch schon ein paar Sonnenstrahlen genießen.
Den Rückweg legten wir dann zum Teil mit dem Jetboot zurück und die letzten Kilometer (etwa 3 Stunden) paddelten wir selbst im Kanu und mit uns Olga und Roger aus Holland. Es war angenehm nach dem Dröhnen des Jetboot-Motors jetzt bei Vogelgezwitscher durch das grüne Flusstal zu fahren. Die Stromschnellen meisterten wir auch ganz gut. Danach erwarteten uns nochmal zwei Stunden kurvige Autofahrt und dann ließen wir den Abend mit vielen schönen Eindrücken bei einem Bierchen enden.