Eiswelt

Von Wanaka ging es an die Westküste nach Franz Josef. Der Ort ist nach dem dortigen Franz Josef Gletscher benannt. Und dieser wurde 1865 von seinem deutschen Entdecker Julius von Hast nach Franz Josef I., Kaiser von Österreich benannt. Und unser Plan war es, dort eine Gletscherwanderung zu machen. Wir kamen am späten Nachmittag an und holten uns bei dem Veranstalter, bei dem wir die Gletschwanderung gebucht hatten, Informationen über den Ablauf des nächsten Tages. Dann schauten wir uns noch Franz Josef an, der Ort ist wirklich winzig, aber mit dem wichtigsten ausgestattet: einer Tankstelle, einem Supermarkt, einer kleinen Kirche und einem Feuerwehrhaus. Der Rest ist dann für Touristen gemacht – Hotels, Hostels, Souvenirläden und Veranstalter von Gletschertouren, Hubschrauberflügen usw.

Am nächsten Morgen um 8.15 Uhr ging es dann trotz Regens los. Zuerst wurden wir ausgestattet mit Wollsocken, wasserfester Überhose und Jacke, Handschuhen und Mütze, wasserdichten Schuhen mit Gummisohlen und Ice Talonz sowie Gürteltaschen, um diese zu transportieren. Ice Talonz sind eine Art Metallschienen mit gezackter Unterseite, die man sich unter die Schuhe schnallt, um Halt zu haben, wenn man auf dem Eis läuft.

Als 13 köpfige plus Reiseführer ging es im Bus Richtung Gletscher. Vom Parkplatz wanderten wir dann nochmal eine dreiviertel Stunde durchs Tal zur Gletscherzunge. Vor zwei Jahren endete der Gletscher noch am Parkplatz, hat aber seit dem abgenommen, und obwohl er im letzten Jahr wieder „gewachsen“ ist sind es jetzt immer noch 3 bis 4 km Wegstrecke. Am Gletscher angekommen, schnürten wir uns die Ice Talonz unter die Füße und es ging auf in die Eiswelt. Hier trafen wir auch einen zweiten Reiseführer und die Gruppe wurde geteilt, wir waren nur noch zu sechst, mit vier Engländern zusammen. Davon war ein Ehepaar aus York, von dem wir ein paar Neuigkeiten aus unserem einstigen gemeinsamen Wohnort erfuhren – Karolina und ich haben uns vor 6 Jahren in York kennengelernt.

Aber zurück auf den Gletscher. Anfangs ging es recht steil aufwärts über schmale in das Eis gehackte Treppen. Dann wurde es abwechslungsreich: hügeliges Eiswandern, über Gletscherspalten steigen, immer wieder Eistreppen, sich durch schmale Gletscherspalten hindurchzwängen. Einige Spalten waren so schmal, dass man nicht einen Fuß vor den anderen setzen konnte, den Rucksack abnehmen musste und mit dem Oberkörper über die Eisfläche glitt. Zwischendurch machten wir immer wieder Pausen, in denen unser Reiseführer neue Treppen ins Eis hackte, den Weg absicherte oder Eis abschürfte, um Gletscherspalten zu füllen, damit wir drübergehen konnten. Ich war die ganze Zeit begeistert von diesen Eismassen, welche ja nur einen winzigen Teil des gesamten Gletschers darstellten. Teilweise leuchten die Eisberge hellblau, das liegt nicht am blauen Himmel, den wir nicht hatten, sondern wohl daran, dass diese Eismassen keinen Sauerstoff enthalten.

Zwischendurch sahen wir sogar ein paar Keas, einer setzte sich auf einen Eisberg direkt neben uns. Keas sind olive-grüne neugierige Papageien, die in den Bergen Neuseelands leben. Der Franz Josef Gletscher und auch der benachbarte Fox Gletscher reichen in so tiefe Regionen, fast bis auf Meeresspiegel Niveau und enden in einer immergrünen Regenwald-Vegetationszone. Das ist einmalig auf der Welt. Der Grund dafür: Die südlichen Alpen mit dem 3754m hohen Mt Cook (höchster Berg Neuseelands) ragen bis fast an die Westküste. Dort in den Bergen, wo auch der Ursprung des Gletschers ist, fallen jährlich etwa 30 Meter Schnee, die dann kompakt als Eis ins Tal hinunterrutschen. Durch den hohen Schneefall ist der Gletscherzuwachs 10 mal größer als bei anderen Gletschern und die Eismasse schafft es in so tiefe Regionen. Und somit sieht man hier auch Papageien im Eis.