Einen Monat später…

Heute ist der 29. Januar und hier bei uns auch Nelson Anniversary Day (Jubiläums- bzw. Jahrestag). Dieser Tag ist zu Gedenken der Ankunft des ersten Schiffs in Nelson am 1. Februar 1842, welches 150 Europäische Siedler in die Region brachte. Somit ist heute Feiertag, welcher mir Zeit gibt, kurz über die letzten Wochen zu berichten.[/i]

Wir erleben gerade den schlechtesten Sommer seit Jahren in Nelson. Da der Ort sehr von Tourismus geprägt ist, leidet die Branche gerade darunter. Viele Camper haben ihren Urlaub vorzeitig abgebrochen bzw sind gar nicht erst angereist. Es gibt schon sehr schöne sonnige Tage, allerdings schieben sich immer wieder wolkenverhangene, verregnete Tage dazwischen. Und wenn man erstmal eine Weile in Sunny Nelson wohnt, ist man sehr schnell verwöhnt und erwartet einfach eine regenfreie Zeit. Oder einfach zwei schöne Tage hintereinander. Das ist doch nicht zuviel verlangt, oder? Immerhin ist es inzwischen wärmer geworden und zumindest von den Temperaturen her hat sich der Sommer so halbwegs eingestellt. Und Strandtage hatten wir ja auch schon einige!

So z.B. zu Weihnachten. Am 24. Dezember bekamen wir Besuch aus Leipzig – Kathrin und Andre (Henne) begannen ihren neuseeländischen Weihnachtsurlaub bei uns in Nelson. Am 25. waren wir bei Bill und Bettina zum Mittagessen und abendlichen Grillen. Den Nachmittag verbrachten wir am Strand von Rabbit Island, waren baden und haben Petonque (auch Boules genannt) gespielt. Zum Equipment gehören eine kleine Holzkugel (etwas kleiner als ein Tischtennisball) und pro Spieler zwei Kugeln (so groß wie Apfelsinen). Die kleine Kugel wird in den Sand geworfen. Dann gilt es, die großen Kugeln so nah wie möglich an der kleinen zu platzieren. Dabei kann man auch gegnerische Kugeln wegstoßen. Wer gewonnen hat, darf die kleine Holzkugel werfen. Ein sehr netter Zeitvertreib!

An den folgenden zwei Tagen zeigten wir unseren Gästen die etwas weitere Umgebung und fuhren nach Golden Bay. Wir besuchten die Pupu Springs (zur Erinnerung – eine der größten Frischwasserquellen der Welt) und den Wharariki Beach, der bei Wind und Regen sehr rauh wirkte. Allerdings konnten wir dank des Wetters einem Seelöwen aus unmittelbarer Nähe zusehen, wie er von den Felsformationen zum Wasser über den Strand robbte. Sowas sieht man ja auch nicht alle Tage. Auf dem Rückweg nach Nelson machten wir noch einen Abstecher zum Abel Tasman Nationalpark, diesmal von der Nord-West Seite und machten eine Kurzwanderung mit Überqueren einer Hängebrücke zu den Wainui Falls.

Silvester ging es auf in den Abel Tasman Park, wo wir drei Tage lang zelteten und den Jahreswechsel erlebten. Die Strände waren schön wie immer. Allerdings zeigte sich diesmal ein Bild, wie es uns bei den Ausflügen im Winter und Herbst vorhergesagt wurde: Während damals die Buchten einsam und verlassen waren, lagen jetzt vor allem in der Anchorage Bay viele Boote und auch auf den Zeltplätzen war ziemlich viel Betrieb. Im Vergleich zu deutschen Zeltplätzen im Hochsommer war es jedoch auf den hier ausgebuchten Zeltplätzen noch sehr angenehm ruhig. Und wenn man einen kleinen Fußmarsch abseits des Hauptweges auf sich nimmt, findet man auch in der Hochsaison hier noch fast menschenleere Strände, wie den Te Pukatea Bay. Am 2. Januar brachten wir Kathrin und Andre nach Picton zur Fähre, sie hatten noch ein paar Tage Urlaub auf der Nordinsel vor sich, während für uns wieder der Arbeitsalltag begann.

Da ja Sommer ist und es frisches Obst gibt, ist auch die Weinproduktion im vollen Gang. Wir haben 20 Flaschen mit schönem rosa-roten Himbeerwein abgefüllt und ihn „Pinky for the Brain“ genannt. Dann waren wir bei Ella und Ben (Carstens Vermietern) Pflaumen pflücken, die dann entsteint und zu Pflaumenwein angesetzt wurden. War gar nicht so einfach, weil zum ersten der Baum an einem steilen Hang stand, was das Pflücken erschwerte. Zum anderen waren die Pflaumen nur so groß wie Kirschen, was wiederum das Entsteinen in die Länge zog. Bei Melanie und Michael haben wir dann Pfirsiche gepflückt und einen Pfirsichwein angesetzt. Und wenn wir wieder Glasballons frei haben, bekommen wir von Vicky und Ross Rhabarber… Und hier ne Frage an Oli: Der Apfelwein, den wir ohne Hefe und Zusatzstoffe angesetzt haben, fermentiert schon lange nicht mehr. Wird der mal richtig klar oder bleibt er trüb?

Wie auch immer, bei der letzten Verkostung kamen unsere Weine ganz gut an. Und zwar beim Open Air Kino – da wurde im Fairfield Park „Denn sie wissen nicht was sie tun“ mit James Dean gezeigt. Eintritt war zwei Dollar und Picknick sowie alkoholische Getränke durften mitgebracht werden. Ja und auch unsere Gäste am letzten Wochenende waren von unserem Wein angetan. Melanie und Pierre, zwei Leipziger, die zur Zeit in Christchurch wohnen, kamen mal in Nelson vorbei und wir zeigten ihnen das nelsonische Nachtleben sowie den berühmten Markt am Samstagmorgen, bevor sie sich auf den Weg zum Abel Tasman Nationalpark machten.

Und so ist nun der erste Monat des neuen Jahres schon vorbei. Eine Neuigkeit noch: Am 23. Januar um 5.30 Uhr morgens erblickte Bianca das Licht der Welt – das dritte Kind von Aranza und Wally. Alle sind gesund und munter und Fotos gibt’s leider erst später.