Deutsche in Kanadiern in Neuseeland

Nachdem wir Montag (26.10.05) wieder in Hamilton angekommen waren, war abends ein Essen bei Aranza und Wally geplant.[/i]

Danke für die Glückwünsche!

Das war mal wieder ein richtig schöner Abend, auch wenn an dessen Ende ein reinfeiern in meinen ersten Geburtstag mit der bösen drei am Anfang stand. Ich möchte hier gleich die Gelegenheit nutzen allen Gratulanten herzlichst zu danken, ob per Anruf, email oder Webseite! Ich hab mich riesig gefreut! DANKE! (achja, macht euch keine Sorgen bezüglich Haupthaare, Seestärke, Hörvermögen usw. - es wird wie erwartet schlimmer)

Unsere zweite Tour

Für Montag war eine Reise gen Süden geplant. Wir blieben jedoch auf der Nordinsel. Wiederum hatten wir einen netten Bungalow in einem Ferienpark gebucht. Der Ort hieß, wie immer unaussprechlich, Taumarunui und liegt am Whanganui-Fluss (und wieder.. man kommt sich vor wie ein Legasteniker). Der Whanganui-Fluss, genauer die “Whanganui River Journey”, gehört zu den “Great Walks” von Neuseeland. Die “Great Walks” sind die schönsten mehrtagigen Wanderungen in Neuseeland und davon gibt es insgesamt nur neun. Drei befinden sich auf der Nordinsel, der Rest auf der Südinsel. Nun werdet ihr euch mit Recht fragen, ob man auf der “Whanganui River Journey” am Fluss lang läuft und die Antwort ist nein. Als einziger der “Great Walks” ist die Journey keine Wanderung, sondern eine Fahrt mit dem Kanu und dauert ca. 5 Tage. Man kann aber auch nur Teilstrecken befahren, und genau das haben wir getan. Als das Stück mit den meisten Stromschnellen (46) angepriesen, entschlossen wir uns mit weichen Knien unsere erste Wildwasser-Erfahrung zu machen.
Vorher stand jedoch Geburtstag - Teil 2 an, und zwar abends in unserer Hütte in Taumarunui - Grillen, Trinken, Reden halten. Es war ein richtig schöner Abend und dass meine Eltern deswegen um die halbe Welt gereist waren, machte ihn für mich zu etwas wirklich besonderen. Doch bevor hier noch Tränen der Rührung fließen, schnell weiter mit dem Reisebericht :-).

Aller Anfang ist leicht

Montag Vormittag, noch etwas verkatert, ging es zum Paddeln. Nach einer kurzen Einführung wurden wir auf dem Fluss ausgesetzt und uns versprochen, uns 5 Stunden später weiter unten abzuholen. Unsere Boote waren Kanadier mit jeweils zwei Personen und zumindest Doreen und ich stellten uns anfangs nicht wirklich geschickt an. Die erste Stromschnelle war jedoch kein Problem und nach einigen weiteren fassten wir langsam Mut, ich hatte sogar bereits das Wort “laaaaaaaaaaaaaangweilig” auf den Lippen. Doch dann wurde alles anders.

Dafür die Mitte schwer

Vor Stromschnelle Nummer 16 waren wir explizit gewarnt worden: “Bleibt einfach so weit links wie möglich, dann ist das kein Problem”. Nun gut sagten wir uns, sieht irgendwie schwieriger aus ganz links, aber die müssen es ja wissen. Die Stelle war recht schmal und dafür tief, das Wasser floss ziemlich schnell und Doreen und ich konnten gar nicht so schnell reagieren und wir knallten frontal mit voller Wucht auf einen großen Stein. Ich sah nur Doreen Richtung Stein fliegen und alle viere von sich gestreckt auf ihm liegen bleiben. Während dessen kippte das Boot um und ich landete im Wasser, wobei ich fast noch vom Bootsrand einen auf den Deckel bekam. Zum Glück konnte ich das mit dem (noch Tage danach dicken) Arm abhalten und lernte dann die Vorteile einer Schwimmweste kennen: Paddel in der einen Hand, umgekipptes Boot in der anderen, hat man nicht wirklich die Möglichkeit in der recht starken Strömung zu schwimmen. Irgendwann hatte ich dann jedoch wieder Boden unter den Füßen und nach einer Weile konnte ich auch der Strömung widerstehen. Also schnell ans Ufer, Boot umdrehen. Da kam auch Doreen am Ufer angelaufen, ihr war zum Glück nichts Schlimmes passiert. Gemeinsam schaufelten wir das Wasser aus dem Boot und setzten uns wieder rein, um eine sonnige Stelle am Ufer zu finden. Nach ein paar Metern sahen wir meine Mutter am Ufer langgehen, worauf ich mir irgendwie keinen Reim machen konnte, da weder Boot noch Vater in Sicht waren. Ein kurzes “Was machst du denn hier?” brachte jedoch Mutti zum straucheln und sie landete erstmal frontal im Wasser, bzw. auf den Steinen im Wasser. Wir sammelten sie ein und fuhren ein Stück bis zur nächsten Bucht, wo bereits der Rest wartete. Es stellte sich heraus, dass meine Eltern beim Anblick unseres Kenterns so geschockt waren, dass sie das Paddeln vergaßen und das Boot sich dadurch quer stellte. Ergebnis: ein Bad im Fluss. Mein Vater hatte im Gegensatz zu mir dabei sehr mit seiner Schwimmweste zu kämpfen. Sie war zu locker angelegt und rutschte ihm im Wasser Richtung Kopf. Nach der ganzen Aufregung nutzten wir die Gelegenheit gleich mal zu einem kleinen Snack und genossen die Sonne.
Es stellte sich heraus, dass wir bei der Stromschnelle nicht wirklich ganz links bleiben sollten, sondern eher ganz links auf der rechten Seite. Aha. Hätte man uns auch so sagen können.

Aufregendes Ende

Nach der Pause ging es weiter. Durch das Bad vorsichtiger geworden analysierten wir ab jetzt jede vor uns liegende Gefahrenstelle sehr genau und brachten sie konzentriert hinter uns. Weiter vorn gab es noch eine weitere Stromschnelle, welche recht haarig war. Doreen und ich schauten auf den Plan und blieben wie angewiesen rechts, obwohl links einfacher aussah. Die anderen zwei Boote entschieden sich, die linke Seite zu versuchen.
Diesmal schien der Tipp jedoch zu stimmen. Unser Boot ist auf der rechten Seite zwar fast gegen das Ufer geknallt, danach war es jedoch einfach. Die linke Seite hatte es jedoch in sich, wie man uns berichtete. Nach einem gemächlichen Anfang wurde das Wasser immer wilder und die Wellen immer größer. Meine Mutter schrie nur noch “Umdrehen, umdrehen!”. Da dies aber ein Ding der Unmöglichkeit war, rief der Vater zum Durchhalten auf. Am Ende blieben die beiden folgenden Boote unversehrt. Nach 22 km hatten wir endlich das Ziel erreicht, und das sogar vor der vereinbarten Zeit. Erschöpft, mit einigen blauen Flecken, aber glücklich hatten wir unser erstes Wildwasserabenteuer bestanden. Nach einer Weile kam auch wie Versprochen der Veranstalter und brachte uns sogar heißen Tee mit. Nach einem gemeinsamen Siegerfoto machten wir uns auf den Weg zu unserem Bungalow.