Botanik, Tempel, Tee und ein ungeplanter Stadtrundgang

Mittwoch, 28. Juni 2005 - Wir hatten eine Tour in das Umland von Jakarta geplant. Dafür haben wir ein Auto inklusive Fahrer gemietet, das kostet für 12 Stunden 350.000 Rupien (ca. 32 Euro) exklusive Benzinkosten. Der Fahrer holte uns um 9 Uhr morgens vom Apartment ab und stand uns bis 21 Uhr abends zur Verfügung. Carsten’s Tante Lianny hatte ihn bereits mit der Route vertraut gemacht und wir konnten unserer Tagestour entspannt entgegensehen.[/i]

Botanischer Garten in Bogor

Zuerst ging es nach Bogor, eine Stadt, die sich ca. 60 km südlich von Jakarta in den Bergen befindet. Dort besuchten wir den botanischen Garten. Dieser scheint im Moment aufgrund der Ferienzeit in erster Linie das Ausflugsziel von Schulklassen zu sein (Ferienfreizeit?). Jedenfalls waren wir zu Beginn unseres Spazierganges durch die dortigen Parkanlagen ständig von Kinderscharen umgeben. Das Wort “Mister” wird den Kindern hierzulande wahrscheinlich als wichtigstes englisches Wort beigebracht und alle, die nicht asiatisch aussehen, werden damit angesprochen.

Wir liefen ca. zwei Stunden durch den botanischen Garten, sahen viele üppige tropische Gewächse und besuchten das Orchideenhaus, in dem es Orchideen zu sehen und Kakteen zu kaufen gab. Es ist schon erstaunlich, was für tolle, extravagante und auch riesige Pflanzen es in der Natur so gibt. Traurig ist hingegen das Müllproblem, das hier herrscht. Zwischen all dem Grün stachen immer wieder häßliche Müllberge hervor - vermutlich auch durch die Heerscharen von Kindern samt Betreuern verursacht.

Die Tempelodyssee

Nächstes Anlaufziel unseres Tagesplans war ein chinesischer Tempel in Puncak, einer Stadt ca. 30 km entfernt von Bogor. Wir rechneten demnach mit einer einstündigen Fahrt. Sobald wir Bogor verlassen hatten, standen wir allerdings erstmal im Stau. Und bald wussten wir auch warum: ein Gefährt - so will ich es mal nennen - stand mitten auf der Straße und legte den gesamten Verkehr lahm. Darunter hockte ein Mann, höchstwahrscheinlich der Fahrer, und reparierte die Bremsen, welche nur einen geringen Teil des insgesamt schrottreifen Pickups darstellten.

Als wir diese Staustelle endlich passiert hatten, setzten wir die Fahrt fort. Der Verkehr auf den Landstraßen ist nicht weniger chaotisch als in der Stadt. Gerade bei ihren Überholmanövern sind die Leute hier recht hemmungslos und fahren trotz Kurven und eingeschränkter Sicht auf der Überholspur. Der gesetzte Blinker wird hier übrigens eher als Fahrzeugbegrenzungslicht genutzt als zum Anzeigen eines Überholvorgangs - und die Hupe zählt auch zum “guten Ton”.

Vorbei an vielen Teeplantagen gelangten wir nach Puncak, wo eigentlich der Tempel sein sollte. Und dann verließen wir Puncak. Der Fahrer hielt mehrmals an und fragte nach dem Weg zum Tempel. Anfangs haben wir uns nichts weiter dabei gedacht aber irgendwann dauerte unsere Fahrt bereits drei Stunden, was sehr lang ist für 30 km und es gab immer noch keinen Tempel. Edi stellte die Existenz des Tempels allmählich in Frage, da der Fahrer nun immer öfter anhielt und fragte und wir das Gefühl hatten im Kreis zu fahren.

Letztendlich hielten wir in einem Ort in einer Straße an, welche zu beiden Straßenseiten voller Läden und Verkaufsstände war. Und in zweiter Reihe, hinter so einem der Verkaufsstände, fanden wir schließlich einen chinesischen Tempel. In einer Größe von etwa 10×10 Metern war in der Mitte ein Altar mit bunten Figuren aufgebaut und es standen wieder Gefäße für die Räucherstäbchen herum. Wir waren uns ziemlich sicher, dass das nicht der Ort war, den uns Carsten’s Tante empfohlen hat. Aber gut, jetzt waren wir hier und wollten das beste draus machen.

Cian Jur

Es stellte sich heraus, dass die Stadt in der wir jetzt waren, Cian Jur hieß. Wir entschlossen uns spontan zu einem Stadtrundgang. Zuerst durchliefen wir einen Basar. Dabei handelte es sich um einen langen schmalen, überdachten Durchgang an dem links und rechts Händler ihre Waren jeglicher Art anpriesen. Es gab so ziemlich alles: Klamotten, Haushaltsgeräte, Lebensmittel, Messer und sogar Schusswaffen. Der Gang in der Mitte war ca 1,5 m breit und neben Fußgängern quälten sich Mopeds, Fahrräder oder Händler mit ihren Handwagen hindurch. Die Attraktion in dem Moment waren jedoch wir. Immer wieder wurde uns das Wort “Mister” zugeworfen. Alle freuten sich und sprachen uns an. Wir wurden regelrecht gefeiert bei unserem Durchmarsch durch diese “Handelsstraße”.

Am anderen Ende angekommen beschlossen wir außen herum zurückzugehen. Aber selbst in der stillen Nebenstraße winkten uns Leute zu oder sahen uns mit großen Augen an - so fühlen sich vermutlich Popstars ;-)
Wir liefen dann noch durch ein paar weitere Straßen und an Märkten vorbei als Edi plötzlich einen Anruf von seinem Kumpel Wolge bekam. Während er mit dem Handy am Ohr das Geschehen um uns herum schilderte, schoss Carsten ein paar Fotos. Plötzlich kam ein einheimischer Händler auf mich zugelaufen und wollte sich mit fotografieren lassen, seine Landsleute applaudierten ihm. Nach einigem Umherirren fanden wir schließlich zu unserem Auto zurück und machten uns auf den Rückweg.

Die Rückfahrt

Es ging wieder vorbei an Reisfeldern, wuchernder Tropenvegetation und Teeplantagen. An den Straßen säumten sich Verkaufsstände und Restaurants. Wir hielten an einem der Stände an, um ein paar Fotos von Teeplantagen zu machen. Von unserem Rastplatz aus hatten wir bei Sonnenuntergang einen schönen Blick auf ein Tal mit Teefeldern - gleichmäßig angebaute Teepflanzen in sattem Grün.

Die restliche Rückfahrt dauerte dann noch etwa drei Stunden und ich habe geschlafen. Carsten und Edi haben wohl Höhrbücher gehört oder gelesen oder auch geschlafen. Wir standen angeblich auch wieder im Stau.

Letztendlich haben wir die Automietzeit gut ausgenutzt und von den 12 gemieteten Stunden wohl auch 9 im Fahrzeug verbracht. Am Ende mussten wir das Auto wieder volltanken und erfuhren bei dieser Gelegenheit gleich die Benzinpreise. Für ca. 30 Liter Diesel zahlten wir ungefähr 6 Euro.

Und wo wir gerade beim Thema Tankstellen sind: Anfangs haben wir überhaupt keine Tankstellen gesehen und uns gewundert, woher die Leute hier ihr Benzin beziehen. Dann sahen wir an der Landstraße vereinzelte Händler mit Benzinkanistern und fanden es merkwürdig, dass mit 20-Liter-Kanistern dieser Massenverkehr aufrecht erhalten werden konnte. Dann sahen wir aber auch normale Tankstellen.

Zusatz
Edi hat heut abend gekränkelt. Er liegt im Bett mit diesem Gefühl - morgen bin ich krank. (Ich hoffe ja mal nicht!!) Aber ich sag schon seit Tagen, dass diese Klimaanlagen hier nicht gut sein können. Aber auf mich hört ja keiner..

Anmerkung Carsten: Doreen friert überall ;-)