Nachdem wir hier einen ziemlich angenehmen Winter hatten - was das Wetter betrifft - stellt sich das Frühjahr gerade sehr wechselhaft ein. Starker Wind und Regen lassen einen fast vergessen, dass ab und zu auch ein paar Sonnenstrahlen zu sehen sind. Immerhin haben wir seit letztem Sonntag auf Sommerzeit umgestellt, der derzeitige Zeitunterschied zu Deutschland beträgt nun 11 Stunden. Die Tage werden bei uns also länger und es wird trotz Wind und Regen auch wärmer. Da nun aber der heutige Samstag wieder mit heftigen Regenschauern begann, nutze ich doch die Zeit und schreib ein paar Berichte.
Das Vierundzwanzig-Stunden-Filmfestival
Am Wochenende vom 23. bis 25. September fand hier in Hamilton das Shoot Out Filmfestival (bereits zum 2. Mal in Hamilton) statt. Dabei handelt es sich um ein Kurzfilmfestival, an dem jeder teilnehmen kann, der einen Kurzfilm drehen möchte. Alles was man dazu braucht ist eine Kamera, die Lust dazu sowie eine Idee. Um das ganze noch richtig spannend und interessant zu machen, werden vom Veranstalter ein paar Bedingungen gestellt, die da wären:
- der Film muss in 24 Stunden entstehen. Startschuss war Freitagabend um 21 Uhr, der fertige Film musste am Samstagabend um 21 Uhr abgegeben werden.
- der Film darf eine maximale Dauer von 7 Minuten haben.
- es ist nur in-camera-editing erlaubt, d.h. der Film darf im Nachhinein nicht mehr bearbeitet werden. Das Filmmaterial wird so ausgespielt, wie es aufgezeichnet wurde. Es darf noch Musik draufgepackt werden, dazu wurde eine Musikbibliothek zur Verfügung gestellt, aus der man auswählen konnte.
- es wurde eine Liste mit 15 Objekten vorgegeben, von denen 5 in dem Film auftauchen mussten. Dieswaren alles irgendwelche Lokalitäten in Hamilton - Gebäude, Bushaltestellen, Skulpturen, Palmen, Plätze usw. sowie der Satz "I don't know what to give away to who" (Ich weiß nicht, was ich wem weggeben soll - o.s.ä.).
Vom Drehbuch zum Dreh
Aufgrund unserer medialen Studienvergangenheit haben wir es uns nicht nehmen lassen, an dem Festival teilzunehmen. Als wir jedoch am Freitagabend zur Anmeldung gingen, hatten wir noch keine Ahnung, was wir eigentlich machen werden. Unsere ursprüngliche Idee, auf der Farm bei Aranza einen Film a la "Ein Tag im Leben einer Kuh" zu drehen, hatte sich zerschlagen als Edi und Carsten am Freitagmorgen herausfanden, dass hamiltonsche Lokalitäten im Film auftauchen müssen. Es herrschte also völlige Planlosigkeit. Kurz vor dem offiziellen Startschuss wurde die Ojekt-Liste verlesen. Auf dem Platz im Zentrum Hamiltons herrschte große Aufregung. Die Mehrzahl der Teilnehmer war mindestens 10 Jahre jünger als wir. Viele erschienen in Kostümen und waren ziemlich aufgeregt. Und um 21 Uhr ging es dann los.
Wir fuhren nach Hause. Die Stimmung war nicht die beste. Es wurden verschiedene Ideen aufgeworfen und verworfen und wir fanden nicht so den gemeinsamen Nenner. Letztendlich nach einigen Stunden (und für Ed nach einigen Dosen Red Bull) hatten wir uns auf eine Geschichte geeinigt, die sich in 7 Minuten erzählen ließ. Ich versuche es mal ganz kurz zusammenzufassen: Es handelte sich um ein Liebesdrama, in welchem ein junger gutaussehender Mann mit Vorliebe für rote T-Shirts im Garten das Grab für seine Freundin buddelte, die er zuvor in einem Streit erschlagen hat. Die Freundin trat nur in den Erinnerungen/Rückblicken auf, welche cinematografisch unter Verwendung des Sepia-Effekts dargestellt wurden. (Ich denke, ihr könnt euch inetwa vorstellen, worum es geht...)
Die Umsetzung war dann nicht mehr so toll wie die Geschichte. Edi und ich waren vor der Kamera aktiv und unsere schauspielerischen Leistungen ließen zu wünschen übrig. Carsten, unser Kameramann, hat hin und wieder abwegige Prioritäten gesetzt und dabei die Zeit vergessen, die wir ja nun nicht wirklich hatten. Hinzu hatten wir Probleme, die Lokalitäten zu finden. Beispielsweise wollten wir einen Glockenturm und eine Skulptur einbauen, die sich beide in den Hamilton Gardens befinden. Nur waren diese beide nicht auf dem Lageplan des Parks eingezeichnet, dass wir erst suchen mussten. Und als wir die beiden Sachen gefunden hatten, waren auch noch gleich mindestens drei weitere Filmteams zugegen. So gestaltete sich unser Tag recht stressig.
Wir hatten ein Studio zum Ausspielen des Videos um 20 Uhr gemietet und kamen fünf Minuten vorher dort an. Das Studio war noch besetzt und wir hatten Zeit, um Musik auszusuchen und uns den Timecode von den Szenen aufzuschreiben, welche musikalisch unterlegt werden sollten. Dann gings ins Studio, Edi filmte noch Titel und Abspann ab, die Carsten gebastelt hatte und der Film wurde ausgespiel. Edi ging schon mal los, das Videoband abgeben. Er hatte ja auch noch fünf Minuten Zeit und war ganz ruhig, bis er erfuhr, dass das Band dort abgegeben werden musste, wo wir uns angemeldet haben - in einem anderen Gebäude ca. 10 Minuten zu Fuß von dem Ort entfernt, an dem wir uns gerade befanden. Er wollte losrennen, aber ein Organisationsmitglied hat ihn dann hingefahren und er gab das Band in der letzten Minute ab (hatte mal wieder was vom Studium).
Carsten und ich räumten derweil unsere Sachen zusammen und warteten dann im Foyer auf Edi. Der kam allerdings nicht zurück und wir wussten auch nicht, dass er nicht mehr mit uns im selben Gebäude verweilte. Irgendwann wurden wir dann rausgeschmissen und wir beschlossen auch ins Zentrum zur "Anmeldestelle" zu fahren, um Edi zu suchen. Als wir dort ankamen, war er nicht mehr dort. Hmm. Wir standen etwas planlos rum, Handies hatten wir natürlich nicht dabei. Dann kam jedoch ein Transporter vorgefahren und Edi sprang raus. Wir hatten uns verpasst.. Kann ja mal passieren. Auf jeden Fall ging es dann in die Kneipe auf ein Bier um den Stress und die gemeinschaflich schwache Leistung zu Verdauen.
Die Preisverleihung
Am Sonntag um 21 Uhr fand dann im Founders Theatre die Preisverleihung statt. Dort wurden die 10 besten Filme gezeigt und Preise verliehen für z.B. beste Kamera, Schauspieler, Musik usw. Insgesamt haben etwa 40 Filmteams teilgenommen, für eine kleine Stadt wie Hamilton schon sehr beachtlich. Beeindruckend waren auch die besten Filme. Die Leute hatten wirklich gute Ideen und es auch geschafft, diese gut umzusetzen. Unser Film war nicht unter den besten - da hätte er aber auch wirklich nicht hingehört. Aber wat solls, wir waren dabei!
Zusatz von Carsten:
Und ausserdem haben wir endlich unseren ersten Hobbit gesehen und zwar Sarah McLeod alias "Rosie Cotton". Sie spielt im ersten und letzten Teil von Herr der Ringe die Freundin von "Sam". In "Return of the King" dürfte sie ziemlich am Ende zu sehen sein, wenn ich mich recht erinnere. Jedenfalls hat sie den Preis für den Best Actor verliehen - was naheliegt, da sie in einer Castingagentur arbeitet.