Nachdem unser erster Versuch, eine Wochenendwanderung im Abel Tasman Nationalpark zu unternehmen buchstäblich ins Wasser gefallen war, starteten wir letztes Wochenende unseren zweiten Versuch. Die notwendige Hüttenbuchung konnten wir damals zum Glück auf dieses mal umbuchen.
Samstag früh um 8 fuhren wir von zu Hause los, um das Wassertaxi um 9.40 Uhr in Marahau zu erreichen. Es war ein wolkiger Morgen aber mit der Ankündigung, dass sich der Himmel aufklären sollte. Pünktlich verließen wir mit einem halbvollen Boot das Ufer, machten einen kleinen Abstecher zum Split Apple Rock, einem großen runden Stein, der in zwei ziemlich gleiche Hälften gespalten ist. Er sieh ganz nett aus, ist aber auch nichts weltbewegendes. Dabei erfuhren wir jedoch ein Interessantes Detail. Die goldgelben Strände in Abel Tasman entstehen durch den hohen Eisengehalt im Granit (aus welchem auch der Split Apple Rock ist), welches bei Zerfall durch Umwelteinflüsse des Granitgesteins freigesetzt wird. Durch Oxidation entsteht dann dieser goldgelbe Sand.
Danach ging es bei heftigem Wind hoch zur Bark Bay. Anfangs regnete es sogar etwas, unsere Sorgen bezüglich eines regnerischen Tages blieben jedoch unbegründet. Auf dem Weg machten wir zwei Stopps. Am zweiten sammelten wir überraschenderweise sechs gepolsterte Wohnzimmerstühle auf. Andererseits ist es nicht wirklich verwunderlich wenn man bedenkt, dass es keine Strasse zu dieser Stelle gibt und somit alle Transporte über Wasser erfolgen müssen.
An unserem Ziel angekommen, wärmten wir uns erstmal mit einer heißen Tasse Tee auf, um dann unsere Wanderung zurück zum Ausgangspunkt zu beginnen. Die Buchten in Abel Tasman sind wirklich malerisch und auch recht zahlreich. Leider war die Temperatur nicht wirklich zum Sonnen- und Meerbaden geeignet. Der Wanderweg führt meist recht dicht an der Küste entlang und bietet immer wieder Abstecher zu besonders sehenswerten Orten oder den eigentlichen Stränden. An einem davon konnte Doreen sogar Pinguine erkennen, welche bei eingehender Betrachtung recht große Flügel hatten und sogar fliegen konnten. Seitdem reagierte sie immer etwas gereizt, wenn ich auch Pinguine sah… verstehe einer diese Frauen :-).
Unterwegs durften wir im Indiana Jones Stil sogar eine recht große und ihrem Namen (Swing Bridge) alle Ehre machende Hängebrücke überqueren. Sie wackelte wirklich bereits bei zwei Personen ordentlich hin und her und mit dem Wald drum herum fühlte man sich wie mitten im Dschungel.
Am Nachmittag kamen wir zu einer Stelle, von welcher zwei Wege zu unserer Hütte führen, wovon der kürzere nur bei Ebbe nutzbar ist. Natürlich hatten wir Flut und von dem Weg waren nur die Schilder mitten im Wasser zu sehen. Der längere Weg führte uns jedoch an dem so genannten „Cleopatra Pool“ vorbei. An diesem Flußbecken bilden wir uns ein, in einer Steinformation eine liegende Frauengestalt erkannt zu haben. Mit einem Fußbad verfeinerten wir das klare Wasser und setzen den letzten Teil unseres Weges erfrischt fort.
Gegen 17.00 Uhr erreichten wir die Hütte, welche Platz für 24 Wanderer bot. Diese waren komplett belegt und wir waren froh über unsere Reservierung. An der frischen Luft genossen wir unser Abendessen und eine leckere Flasche Rotwein. Bei der Gelegenheit lernten wir (natürlich) auch eine Deutsche kennen, welche gerade Urlaub in Neuseeland macht. Sie erzählte uns von einer schlaflosen Nacht in einem Nelson Backpackers mit Amerikanern und dazugehörigen Trinkspielen, worauf wir sie einluden, bei uns die nächste Nacht zu verbringen, bevor sie am Montag Richtung Süden weiterfuhr.
Am nächsten Morgen erwartete uns strahlender Sonnenschein. (Doreen: ein Morgenbad bei Sonnenaufgang hab ich mir natürlich nicht nehmen lassen). Wir frühstückten bei angenehmen Temperaturen am Strand. Ein paar furchtlose Möwen freundeten sich dabei schnell mit uns, bzw. unserem Essen an.
Der erste Teil unseres Weges hatte es etwas in sich, da wir gleich mal einige Hundert Meter Höhenunterschied hinter uns bringen mussten. Oben wurden wir mit einer atemberaubenden Aussicht in alle Richtungen belohnt. Weiter ging es an verschiedenen Buchten und Stränden vorbei mit regelmäßigen Abstechern etwas tiefer in den angrenzenden Wald.
Unterwegs entwickelte sich Doreen zum professionellen Tierfotografen und schlich sich geschickt unter Zuhilfenahme natürlicher Hindernisse an ihre Objekte an. Dies gab mir wiederum Gelegenheit lustige Fotos von ihr zu schießen. Nach einem subjektiv furchtbar langen und trotzdem wunderschönen Fußmarsch erreichten wir endlich nachmittags unser Auto. Wir hatten wieder mal viele unvergessliche Eindrücke gesammelt und ich freue mich schon darauf, im Sommer noch mal zurückzukehren und den Rest dieses Nationalparks kennen zu lernen.
Und jetzt noch ein kleiner Exkurs von Doreen, über ein ganz anderes Thema:
Freie Fahrt bis 2016
Mit dem europäischen Führerschein darf man in Neuseeland ein Jahr lang Auto fahren. Danach muss man die Prüfung für den neuseeländischen Führerschein machen. Eigentlich eine komische Regel. Denn nach einem Jahr hat man sich auch an den hiesigen Linksverkehr und dessen Eigenheiten gewöhnt. Aber da wir ja nun seit fast einem Jahr hier sind und nicht ohne gültigen Führerschein erwischt werden wollten, haben wir uns der Prüfung unterzogen. An einem Sonntag bei Sonnenschein haben wir uns an den Strand gesetzt und den Road Code durchgeblättert (das ist das Gegenstück zur Straßenverkehrsordnung in Deutschland). Dort steht alles drin, was man bezüglich der neuseeländischen Verkehrsregeln wissen sollte. Am darauffolgenden Dienstag haben wir die Prüfung abgelegt und bestanden. Und letzte Woche waren die Führerscheine im Briefkasten. Ging alles ziemlich kurz und schmerzlos. Und hier mal drei Beispiele aus dem NZ Road Code:
1) Die Vorfahrtsregel
Man beachte, es herrscht Linksverkehr: Man fährt auf einer Straße und möchte nun nach links abbiegen. Von vorn kommt ein Fahrrzeug, welches nach rechts in die gleiche Straße abbiegen möchte. Diesem Fahrzeug muss nun Vorfahrt gewährt werden, d.h. das Fahrzeug mit dem längeren Weg hat Vorfahrt. Das gibt´s angeblich nur in Neuseeland. Und ich finde es weder logisch noch sicher.
2) Das Fahrzeug
Bei der Frage, was denn in einem Fahrzeug vorhanden sein muss, würde ich in Deutschland z.B. an Verbandskasten oder Warndreieck denken. Hierzulande ist die Antwort: zwei funktionierende Scheinwerfer, ne Sonnenblende und mindestens ein funktionierender Scheibenwischer. Naja, immerhin kann man damit bei Sonne, Regen und im Dunkeln fahren.
3) Schnall dich an!
Anders als in Deutschland ist hier nicht immer der Fahrer dafür verantwortlich, dass die Insassen angeschnallt sind. Bei Kindern bis zu 14 Jahren muss der Fahrer darauf achten, dass der Gurt angelegt wird. Ab 15 Jahre sind die Mitfahrer selbst verantwortlich.
Was auch interessant ist – der Führerschein in Neuseeland ist nur für 10 Jahre gültig und muss danach erneuert werden. Wenn wir unsren europäischen Führerschein als Dokument genutzt haben, um uns auszuweisen, wurden einige Neuseeländer stutzig, warum denn unser Führerschein kein Ablaufdatum hatte.