Donnerstag, 07. Juli 2005 - Während Carsten und Edi sich im Hotel mit der Umgestaltung und Verbesserung unserer Webseite beschäftigten, habe ich mal um neue Inhalte gekümmert und so eine organisierte Fahrradtour mitgemacht.
Die Reisegruppe
Wie schon gesagt, war dies eine organisierte Radtour und somit wurden alle Teilnehmer vom Hotel abgeholt. Ich wurde als letztes abgeholt und der Minibus war schon ziemlich voll. Die weiteren Teilnehmer waren drei australische Familien: ein mitvierziger Ehepaar mit zwei Töchtern (ca. 16 und 19 Jahre alt), zwei weitere Ehepaare um die 50 mit jeweils einem Kind (etwa 8 und 10 Jahre alt) - keine Ahnung, ob es die Kinder oder Enkel waren, ist auch egal.
Der Start
Wir fuhren erstmal 2 Stunden lang in die Berge. Dort hielten wir an einem Restaurant an, wo bereits ein Frühstück auf uns wartete. Es gab Tee und Kaffe, Crepes (normal und mit Bananen gefüllt) sowie reichlich Obst. Von dem Restaurant hatten wir einen guten Ausblick auf einen Vulkan sowie einen großen Bergsee. Nach dem Frühstück fuhren wir noch halb um den See herum und auf der anderen Seite standen bereits die Fahrräder bereit. Jeder konnte sich nun ein passendes Rad aussuchen und der Reiseleiter verpasste auch jedem sofort einen Fahrradhelm. Dann hatten wir kurz Zeit zum Üben, zum Radfahren üben. Anfangs fand ich diese Anweisung merkwürdig, aber im Nachhinein schon nachvollziehbar. Wenn man eine Radtour auf einem Rad macht, auf dem man vorher nie gesessen hatte, sollte man schon mal testen, wie die Bremsen und Gangschaltung funktionieren sowie ob Sattel und Lenker richtig eingestellt sind. Außerdem hatte der Reiseleiter eine Trillerpfeife dabei: einmal pfeifen hieß abbiegen und zweimal pfeifen hieß anhalten. Auch das haben wir geübt. Erinnerte mich irgendwie an Fahrradausflüge mit der Schulklasse.
Talfahrt
Dann ging es endlich los. Und zwar bergab. Fast die ganze Strecke. Man konnte eigentlich kaum von Fahrradfahren reden, denn wir sind 20 km nur bergab gerollt. Man musste die ganze Zeit bremsen. Ein Rad mit Rücktritt-Bremsen wäre wohl echt angenehmer gewesen, denn so taten einem wirklich teilweise die Hände weh. Es gab insgesamt zwei kleine Anstiege, welche die Mehrzahl der Reisegruppe dann auch ihr Rad hochgeschoben hat. Nichtsdestotrotz sind wir auf der schmalen unbefahrenen Landstraße an vielen schönen Orten vorbeigerollt.
Tempel
Wie bereits erwähnt, sind die Menschen hier auf Bali sehr religiös. Auf unserer Radtour durch kleine Dörfer sind wir an vielen Tempeln vorbeigekommen. Jede Gemeinde muss mindestens drei Tempel haben: einen Familientempel, einen Gemeindetempel und einen öffentlichen Tempel. Und dann gibt es auch noch Regionstempel. Allerdings schienen manche Dörfer nur aus Tempeln zu bestehen. Die Grundstücke der Familien sind von einer Mauer umgeben und hinter den Mauern sah man die Tempelanlagen hervorragen. Das ist schon unglaublich. Die Menschen dort auf dem Land leben in so einfachen und armen Verhältnissen, aber sie haben einen eigenen Tempel. Wir besuchten eine öffentliche Tempelanlage. Zum Teil sah sie verfallen aus und als ob sie niemand mehr nutzte. Andere Teile schienen ganz neu und leuchteten in bunten Farben.
Nachmittags liefen dann auch schick gekleidete Mädchen und Frauen Richtung der größeren Tempel (höchstwahrscheinlich der Gemeindetempel). Auf ihren Köpfen trugen sie Körbe mit Opfergaben. Hübsch aufeinandergestapelt und dekoriert waren dort unter anderem Reis und Obst. Aber auch die männlichen Dorfbewohner liefen schick gekleidet (ganz in weiß) zu den Tempeln. In einigen Tempeln fanden auch gerade Prozessionen statt. Es waren laute Musik und Gebetsgesänge zu hören. Leider sagte uns unser Reiseleiter, dass wir uns das nicht mit ansehen dürften. Naja, da rollten wir einfach nur vorbei.
Wohnanlagen
Weiterhin hatten wir die Möglichkeit, uns eine Wohnanlage anzusehen. Hinter den Mauern des Familiengrundstückes gibt es jeweils ein Schlafhaus für die Familienältesten, ein Schlafhaus für den Rest der Familie (wenn geheiratet wird, bekommt das Paar ein neues Schlafhaus) und ein Küchenhaus. Dazu muss gesagt werden, dass es pro Haus nur ein Zimmer gibt - also vier Wände mit Dach und einer Tür. Im Küchenhaus gibt es eine Kochstelle, auf der über offenem Feuer die einzige Mahlzeit für den Tag zubereitet wird. Wasser wird vom Brunnen oder Fluss geholt.
Kinder
Eine weitere Sache, die ich sehr interessant fand, waren die vielen Kinder am Straßenrand. Aus allen Häusern kamen die Kinder an die Straße gelaufen - falls sie nicht schon an der Straße spielten, um uns zu grüßen. Sie winkten und riefen "Hallo". Während wir ein Dorf passierten wurden wir von einem "Hallo" aus Kinderstimmen begleitet. Einige Kinder stellten sich sogar an den Straßenrand und hielten ihre Hand aus, um mit uns, den Vorbeiradelnden, abzuklatschen.
Reis und Tabak
Bali lebt in erster Linie vom Tourismus, in den Küstenregionen gibt es viele Fischer und die Landbevölkerung lebt vorwiegend vom Reis- und Tabakanbau. Unsere Radtour führte uns vorbei an Tabakfeldern. Weil auf Bali Tabak angebaut wird, sind Zigaretten hier wohl auch so billig. Und wir sahen viele Reisfelder. Es kann wohl ein bis zweimal pro Jahr Reis geerntet werden.
Der Schluss
Zum Schluss ging es wieder in ein Restaurant zum Essen. Dort war ein indonesisches Buffet aufgebaut und wir haben alle (bis auf die Kinder natürlich) ein Bierchen getrunken. Anschließend ging es zurück in die Hotels. Aufgrund der vielen Staus dauerte die Rückfahrt für mich drei Stunden.